Impressionen

Wunschbilder und Impressionen

Der berühmte kleine Bauerngarten mit Holzzaun drumherum, und Duftwicken, die im Juli an ihm, dem Lattenholz, hochspinnen. Die Margeriten, die rote Bohnenblüte, die erste rot- und weiß züngelnde Dahlie, Lavendel, das hellgelb und grasgrün blühende Spitzkraut, das ungeerntet hochschießt und blüht, die Ringelblumen.

Der berühmte englische Landschaftsgarten mit seinen kleinen Seen, dem Entenfittichschlagen über ihnen, den Teichrosen, die weiten Auen mit hohem Gras, ins Gras hinein fallendes Ulmenlaub, und dann die Hügel, über die drei Reiter hintereinander in kurzem Trab erst da sind und gleich wieder weg, ein Rotbuchenwald mit einer künstlichen Ruine und einem jugendstilakanthusblättrig behauenen Aussichtsturm;
der berühmte französische Rokokogarten mit Nymphen und Rittern und Faunen, streng aufgereiht zwischen Buchs und Heliotrop, in geometrischer Anordnung dennoch vage und sehnsüchtig in wilde ungeordnete Natur blickend, Lavendel im 30-cm-Abstand, Kieswege, auf denen die Gärtner nur wie choreographiert gehen dürfen: kommt links einer runter, geht rechts einer rauf und im Schnittpunkt sträubt sich eine Sirene in einer Tritonenumschlingung.

All das kann man in einem einzigen Garten zusammen haben: von den herrlichen Klostergärten und Küchenkräutergärten und Kirchenfriedhofsgärten und venezianischen Ausblicken auf eine Rose, eine Statue und eine Palme nicht zu reden, und nicht von dem Garten, der aus einem einzigen Beet besteht: einem Vergißmeinnichtbett mit schwarzen Tulpen und einem Überhang aus gerade aufgehenden zitronig duftenden Holunderblüten – davon reden wir nicht, noch nicht einmal von Veilchen im April, Reseda im August und Straußfedernastern im Oktober.

Wir reden einfach nur vom Garten, wie er sein will. Aus sich selbst heraus und von uns dann – dem Besitzer beispringend – koordiniert, geordnet, gedüngt und beschnitten.

Wir haben angedeutet, dass der Garten bei Sonne und Regen, in Eis und Schnee das lebendigste Wohnzimmer sein kann. Im Schnee vielleicht mehr zum Stehen, bei Sonne vielleicht mehr zum Sitzen; immer aber, bei jedem Wetter, ein Ort, um die Nerven zu beruhigen.

Der Garten, wenn er so wird, wie wir ihn wollen, ist öffentlicher Wohnraum und heimlichstes Versteck. Eine praktische Ideologie und eine in Erfüllung gehende Religion.
Die Liebe regt er an in jeglicher Gestalt. Denn so ein richtig schöner Garten ist immer ein öffentliches Versprechen – und eine heimliche Erfüllung.

Dem Garten muss man
erlauben nachzudenken –
über ihn selbst.